
Drei Wochen lang waren acht singapurische Austauschschüler des Institute of Technical Education auf Einladung der Gottlieb-Daimler-Schule 2 (GDS2) in Sindelfingen. Die Firmen Daimler AG, Eisenmann AG und Faulhaber GmbH & Co. sorgten für jeweils einwöchige Praktika.
„Was vor Jahren als Entwicklungshilfeprojekt begann, hat sich im Laufe der Zeit zu einer Partnerschaft auf Augenhöhe entwickelt. Lehreraustausch sowie gemeinsame Schülerprojekte finden seit Jahren regelmäßig statt“, so Schulleiter Robert Kienle. Er ist der Auffassung „dass für eine moderne Ausbildung in Zeiten der Globalisierung ein internationaler Austausch notwendig ist“. Da die Zusammenarbeit so erfolgreich verläuft, wurde die Partnerschaft zwischen den Gottlieb-Daimler-Schulen und dem Institute of Technical Education in Singapur bereits im März 2009 in Anwesenheit von Kultusminister Helmut Rau verlängert.
„Pünktlichkeit, Disziplin, kombiniert mit einem absolut projektorientierten Arbeiten“, so das Fazit der Asiaten über ihre Schnupperwochen bei den schwäbischen Vorzeigefirmen.
Bei der Eisenmann AG, die zu den international führenden Systemanbietern von Zukunftstechnologien wie Oberflächen- und Umwelttechnik gehört, erhielten die Singapurer einen Grundkurs in Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS). Bei Faulhaber, ein Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung hochwertiger Antriebs-, Präzisions- und Mikrosysteme spezialisiert hat, erlernten sie den Bau eines mit einem Antriebsroboter gesteuerten Autos, das selbstständig Hindernisse erkennt und ihnen ausweicht.
Während des Praktikums bei der Daimler AG programmierten die Austauschschüler unter Anleitung einen Roboter, der das Firmenlogo zeichnet. Auszubildende des Berufes Elektroniker für Automatisierungstechnik und Mechatroniker betreuten in allen drei Firmen die asiatischen Gäste und gaben ihnen Einblick in die praktischen Arbeitsabläufe. „Gerade die Erfahrungen in den Betrieben waren für die singapurischen Schüler wichtig, da die Ausbildung im Stadtstaat vollschulisch, also ohne praktische Arbeit im Betrieb abläuft“ so Heinz Ulmer, Abteilungsleiter an der GDS2 und Organisator des Austausches. Besonders lobten die Gäste die Atmosphäre in den Firmen, die sie trotz der disziplinierten Grundhaltung als entspannt und freundlich bezeichneten. Nach solch intensiver Schulung durfte ein Kultur- und Freizeitprogramm, gesponsert vom Förderverein der Gottlieb-Daimler-Schulen, nicht fehlen. Der Besuch des Technik-Museums in Sinsheim stand ebenso auf dem Programm wie ein Bummel über den historischen Weihnachtsmarkt in Esslingen. Die Einkaufstour durch die „Outlet-City“ Metzingen verführte selbst die Besucher aus dem Shopping-Paradies Singapur zum Einkaufen.
Kontrastprogramm war der Nachmittag auf dem Bauernhof des Schönaicher Landwirtes Walter Holzapfel, denn die Auszubildenden aus dem hoch industrialisierten Stadtstaat haben außerhalb eines Zoos landwirtschaftliche Nutztiere noch nie zu Gesicht bekommen. Beim Melken und Tiere füttern legten sie aber schnell ihre anfängliche Scheu ab. Im privaten Rahmen lernten sie bei einem Abendessen bei der Familie Ulmer die deutsche Gastfreundschaft kennen. Beeindruckt waren sie von den hiesigen – ihrer Ansicht nach großzügigen – Wohnverhältnissen, frei stehende Häuser sind in Singapur so gut wie nicht zu finden. Pünktlich zum Wintereinbruch kamen die Gäste aus Singapur, die zuvor noch nie Schnee gesehen hatten, bei einem Skikurs im Allgäu dann noch voll auf ihre Kosten.
Singapurer im Allgäu
Singapurische Austauschschüler besuchten für drei Wochen Sindelfingen
Text: Marianne Maier-Anderer, Michael Wagner
Bild: privat